Worte finden

Über Inspiration, Schlüsselmomente und Resonanz

In den letzten Wochen dachte ich, ich müsste Inspiration finden. Bis mir klar wurde, dass es nicht darum ging, Inspiration zu finden, sondern Worte für das, was mich bereits inspiriert. Worte für das, was ich schon lange fühle und denke.

Kennst du das? Du hast diese Gedankenschnipsel, die die Welt ein bisschen besser machen könnten, die drängen und drücken und aus dir raus wollen. Aber du schaffst es nicht, auch nur einen einzelnen Satz daraus zu formulieren? So ging es mir schon sehr lange. Deshalb habe ich jetzt entschieden, trotzdem anzufangen zu schreiben. Und zu hoffen, dass die Worte während des Schreibens kommen.

Aber was ist es eigentlich, dieses Gefühl, für das mir gerade noch die Worte fehlen? Und wann hat es angefangen?

Ich glaube daran, dass wir das Gefühl, von dem ich rede, alle in uns haben. Wir haben es nur tief vergraben unter gesellschaftlichen Narrativen und eigenen Glaubenssätzen. Manche vielleicht tiefer, manche weniger tief. Und dann gibt es diese Momente im Leben, die uns trotz all dem Rotz oben drüber mit diesem Gefühl (wieder) in Verbindung bringen.

Ich glaube daran, dass wir das Gefühl, von dem ich rede, alle in uns haben. Wir haben es nur tief vergraben unter gesellschaftlichen Narrativen und eigenen Glaubenssätzen. Manche vielleicht tiefer, manche weniger tief. Und dann gibt es diese Momente im Leben, die uns trotz all dem Rotz oben drüber mit diesem Gefühl (wieder) in Verbindung bringen.

Welche Momente waren das für mich?

Einer war, als ich Vivian Dittmars „Echter Wohlstand“ gelesen habe. Ich weiß nicht, wann genau das war. Ich weiß nur, dass wir noch in unserer alten Stadtwohnung wohnten. Mit Blick in den grünen Stadtpark und während der Corona-Pandemie. Es muss kurz nach dem Erscheinen des Buches 2021 gewesen sein. Ich erinnere mich, wie ich abends auf unserem grünen Sofa saß mit Blick auf die grünen Vorhänge und wie mir – bei all dem Wahnsinn da draußen – das Buch Hoffnung gab und unzählige Resonanz-Momente bescherte: Ja, genau! Vivian findet in ihrem Buch Worte für das, was ich fühle und fühlte. Ich weiß nicht, wie ich auf das Buch gekommen bin. Das Cover (rosa, lila und mit einem Schmetterling, der auf einem der Buchstaben des Titels sitzt) kommt mir ehrlicherweise ein bisschen zu niedlich daher als dass ich danach in der Buchhandlung gegriffen hätte oder als dass es das Buch aus meiner Sicht verdient hätte – aber auch das sind nur gesellschaftliche Zuschreibungen.

Was hat mich also trotzdem zu dem Buch greifen lassen?

Ein Schneeglöckchen schlüpft durch den Waldboden.

Echter Wohlstand. 2021, das Jahr, in dem das Buch erschienen ist, war eine Zeit, in der das, an was ich bis dahin glaubte, langsam zu bröckeln begann. Dank Corona hatte sich die Situation in meinem damaligen Job weiter verschärft. Ich schrieb nicht nur Marketing-Texte, deren Inhalt mich selbst nicht interessierte und die dafür da waren etwas zu verkaufen, für das ich keinen Mehrwert sah. Ich verlor sogar den Eindruck, dass irgendjemand im Unternehmen davon überzeugt war, dass diese Texte (die doch unter großem Druck von oben entstanden) wirklich wichtig waren, um

tatsächlich die Dienstleistungen zu verkaufen, um die es letztendlich ging. Und ich tat es alleine zuhause – aus dem Corona-bedingten Home-Office – und ohne Team, das wegen des eben genannten hohen Drucks kaum greifbar war oder das Unternehmen bereits verlassen hatte und nicht nachbesetzt wurde. Zu sagen „Es fühlte sich nicht stimmig an“ wäre untertrieben. Es machte mich krank. An den meisten Morgenden klappte ich meinen Laptop auf und hätte heulen können, bevor ich das E-Mail-Postfach überhaupt geöffnet oder einen Blick auf die nie enden wollende To-Do-Liste geworfen hatte.

Wie war ich hier gelandet?

Aus Angst. Mein Leben zu diesem Zeitpunkt war – zumindest zu großen Teilen – das Ergebnis vieler fauler Kompromisse, die ich aus Angst getroffen hatte. Das weiß ich heute. 

Aber woher kam diese Angst?

Seit 2018 habe ich viel Zeit damit verbraucht, mich kognitiv mit meinen eigenen Überzeugungen und Glaubensmuster zu beschäftigen. Herauszufinden, was diese sind und wo sie auf meinem Lebensweg entstanden sind. Das ist gut, denn es befreit mich zu einem gewissen Grad. Von meinem heutigen Standpunkt aus, würde ich aber durchaus die Frage stellen, ob das überhaupt notwendig ist – wenn das eigentliche Problem doch eher ein Gefühl ist, das vielen von uns heute abhanden gekommen ist und das viel früher verloren ging als meine individuellen Überzeugungen entstanden sind: das Gefühl vom Leben getragen zu sein, sich sinken lassen zu können in das große Geflecht der Dinge und darauf zu vertrauen, dass alles gut wird. Das Gefühl, das es uns ermöglicht, nicht aus Angst, sondern aus Liebe zu handeln. Urvertrauen.

… wenn das eigentliche Problem doch eher ein Gefühl ist, das vielen von uns heute abhanden gekommen ist und das viel früher verloren ging als meine individuellen Überzeugungen entstanden sind: das Gefühl vom Leben getragen zu sein, sich sinken lassen zu können in das große Geflecht der Dinge und darauf zu vertrauen, dass alles gut wird. Das Gefühl, das es uns ermöglicht, nicht aus Angst, sondern aus Liebe zu handeln. Urvertrauen.

Lassen wir uns das Wort einmal auf der Zunge zergehen: Ur-Vertrauen.

Vertrauen ins Ur. Was ist dieses Ur? Genau das ist vielleicht einer der Aspekte, für den mir die Worte fehlen. Weil es so schwer ist, etwas zu benennen, für das es vielleicht keine passenden Worte gibt. Es fühlt sich tief an, satt, warm, sumpfig, sicher.

Auf dem Rückweg unserer letzten Reise machten wir Halt im Elsass und auf einem Wanderwegweiser in der Nähe unseres Campingplatzes stand plötzlich „Ursprung“. Ich verkniff mir den Impuls mit unserem zu dem Zeitpunkt 13 Monate alten Sohn in der Kraxe bei 26 Grad zwei Stunden den Berg hinaufzuwandern, um zu sehen, wohin uns der Weg zum Ursprung führen würde. Schließlich ist laut Google Ursprung einfach ein sehr kleiner Ort in Frankreich. Was aber blieb ist die Frage: Was ist unser Ursprung? Ur-sprung. Wo entspringt das Ur? Auch um diese Fragen rund um das Ur soll es auf diesem Blog gehen. Wenn sich meine Hoffnung erfüllt, im Prozess irgendwann Worte dafür zu finden.

Zurück zu Vivian Dittmar und echten Wohlstand.

Ich saß also am Schreibtisch. In einem Job, der mich krank machte und auch darüber hinaus keinen lebensdienlichen Beitrag leistete. Aus einer Angst, die irgendwie mit meiner fehlenden Anbindung an dieses ominöse Ur zusammenhing. Und einem daraus resultierenden Bedürfnis nach vermeintlicher Sicherheit, das mich zunächst an diesen Punkt gebracht hatte und mich nun auch noch davon abhielt, etwas daran zu ändern. Long story short: Ich schaffte es kurz darauf – vielleicht durch meine Arbeit mit meinen inneren Überzeugungen, vielleicht einfach, weil der Preis weiter in diesem Job zu bleiben höher war als der Gewinn – zu kündigen. Ohne zu wissen, was kommt. Raus, Pause, Reset. Der Weg zur Wiederanbindung an das Ur kam später.

Hatte Vivian Dittmars Buch einen Anteil daran? Vielleicht.

Immerhin schaffte sie, etwas in Worte zu fassen, das für mich bis dahin nur ein Gefühl war: Wohlstand – echter Wohlstand – hat nichts mit einem Gehalt – also Geld – zu tun, von dem wir uns etwas kaufen können. Da gibt es noch etwas anderes oder viel mehr als diesen materiellen Wohlstand, nach dem ein Großteil unsere Gesellschaft so lechzt. In ihrem Buch beschreibt Vivian fünf Dimensionen echten Wohlstands: Zeitwohlstand, Beziehungswohlstand, Kreativitätswohlstand, spiritueller Wohlstand und ökologischer Wohlstand. Das alles zu erläutern würde hier den Rahmen sprengen – dazu empfehle ich Vivians Buch. Ich finde es reicht zu Beginn schon, sich diese fünf nennen wir sie „Wohlstandsdimensionen“ auf der Zunge zergehen zu lassen. Sie einsinken zu lassen in uns und durch sie dieses Gefühl in uns nähren zu lassen, zu dem wir vielleicht alle ein bisschen den Kontakt verloren haben. Einem Gefühl, das aber da ist und das vielleicht direkt verbunden ist mit dem Ur.

Ich habe mich dazu entschieden, mich auf einen Weg zu machen.

Ich möchte die Themen, die dieser Blogbeitrag anreißt, weiter ergründen. Und ich möchte dich mitnehmen auf diesen Weg. Gerade, beim Schreiben, merke ich, dass ich dafür doch schon mehr Worte finde als ich dachte. Das ist gut.

Auf diesem Blog soll es unter anderem um die Fragen gehen…

Wo und warum genau ist uns dieses Gefühl von Urvertrauen (Getragensein im Schoß von Mutter Erde) verloren gegangen? Wie können wir es (zumindest in Teilen) wieder zurückgewinnen?

Was braucht es für eine lebensdienlichere Welt? Und wie finden wir als Menschen (zurück) zu einem Leben(sstil) (einer Art zu leben und zu arbeiten), die mehr bewahrt und regeneriert als sie kaputt macht?

Was ist der Beitrag von uns Menschen im großen Ganzen? Und wie können wir als Einzelne unseren individuellen Ausdruck davon finden?

Wie können wir in Zukunft gut, geborgen, lebensdienlich zusammenleben und wirtschaften?

Ich nehme dich mich mit in meinen persönlichen Erkenntnisprozess und auf meinen Weg, Naturverbindung im Alltag zu leben. Etwas, das aus meiner Sicht direkt mit den eben angerissenen Fragen zusammenhängt und vielleicht sogar Teil der Antwort sein kann.

Schön, dass du hier bist!

© Ramona Niehus, 2026

Quellen und Empfehlungen:

Dieser Text ist komplett ohne KI geschrieben und entstammt zu 100% meinen Gedanken und Gefühlen. Er ist entstanden in Ko-Kreation mit der Resonanz des großen Gewirks in mir.

Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, den Text von KI korrigieren oder „schöner formulieren“ zu lassen. In Zeiten, in denen viele Texte, die uns begegnen von KI geschrieben sind und somit Reproduktionen von vergangenen Gedanken und Erkenntnissen sind, braucht es aus meiner Sicht mehr echte von Menschen geschriebene Texte. Damit wir die Zukunft wirklich neu denken können.

Empfehlen kann ich in diesem Zusammenhang das Buch von Vivian Dittmar:

Vivian Dittmar, 2021: Echter Wohlstand. Warum sich die Investition in inneren Reichtum lohnt. Ein Plädoyer für neue Werte. Kailash Verlag, München.

Sometimes, I find myself thinking about things that really move me in English. And sometimes, things move me more when I read them in English. That’s why I decided to translate this blog post. If you feel the same way, you can find the English version here.

Ramona Niehus | Waldsüchtig

Prozessbegleiterin & Autorin

Ich bin Ramona, Initiatorin von Waldsüchtig. Mein Blog ist mein Denkraum: Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie können wir in einer Zeit ökologischer und gesellschaftlicher Krisen wieder in Beziehung treten – zur Natur, zu uns selbst und zueinander?

Hier findest du Gedanken über Naturverbindung und gesellschaftlichen Wandel. Eine Einladung zum gemeinsamen Nach- und Weiterdenken. Mehr über mich.